Andacht

 

 

 

Gedanken zum Monatsspruch Oktober aus dem Kirchenbrief 
der JCB Kirchengemeinde
von Pfarrerin Pia L. Rübenach

 

"Zur Freiheit hat uns Christus befreit!
So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ 

(Aus dem Brief des Paulus an die Galater)

 


Mit einer Forderung kommen wir in den Oktober und mit zwei Ausrufezeichen. Hier meint es einer ernst. Hier versteht er keinen Spaß. Denn der Preis ist zu hoch. Es ist Paulus, der hier streng rüberkommt. Gleich im ersten Satz ruft er zu uns rüber: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Fast doppelt gemoppelt: „Zur Freiheit befreit“. Mehr Freiheit geht nicht.

 

Doch was ist das für eine Freiheit? Für mich ist die Freiheit stets wichtig gewesen: Die Möglichkeit, sich entscheiden zu können und eine Wahl zu haben. Für den Beruf und die großen Wegmarken. Die Möglichkeit, aufzuhören und anzufangen, wenn es dran ist. Die Freiheit, Ja oder nein zu sagen. Und die Freiheit, sich nicht allzu sehr verrenken zu müssen. Also kurz: Die Freiheit, sich zu entwickeln, wie es mir entspricht. Natürlich sind da Regeln, die es einzuhalten gilt und Menschen, die ihre eigene Freiheit mitbringen. Ich habe für mich gelernt, dass Freiheit beides birgt: Die Möglichkeit, sich auszuprobieren und selbstbestimmt zu leben. Und die Einsamkeit, die mich zeitweise allein dastehen lässt. Das ist die schmerzhafte Kehrseite der Freiheit. Glücklicherweise wiegt das erste mehr.

 

Paulus bringt uns auf andere Gedanken. Solche, die uns heute nicht beschäftigen. Für ihn und die ersten Christen war es eine Freiheit von religiösen Gesetzen. Ohne äußere Bedingungen von Gott angenommen zu werden. Dafür hatte Christus gesorgt. Das war mit ihm gestorben. Ohne Wenn und Aber. Ohne Haken. Paulus erinnert daran. Er kannte die inneren Bilder, die Bedingungen und den Hass, der ihn selbst getrieben hatte. Er kennt den Preis solcher Zwänge. Darum wird er klar: Lasst euch keine neuen Zwänge auferlegen, mahnt er.

 

Auch wenn Paulus lange tot ist, leben manche Zwänge weiter. Sie haben eine ungeheure Macht. Wir wissen, was es für Zwänge und Druck gibt, denen wir klein beigeben. Wir kennen den Zwang, gefallen zu wollen und sich anzupassen. Wir wissen, wie leicht es ist, mitzuschwimmen. Und wie schwer es ist, aus der Deckung zu kommen. Denn Widerstand und ein klares Wort kosten Kraft. Sich auseinanderzusetzen ist mittlerweile eine Tugend, die nicht jeder Mensch hat und ausübt. Dass auch dieser Preis hoch ist, wissen wir: Der Preis zu schweigen, auszuhalten und in einem Leben zu leben, das seinen Namen nur schwer verdient. Oder auferlegte Bedingungen zu erfüllen, damit man irgendwie dazugehören darf.

 

Was tun? Paulus ist ein gutes Beispiel für einen Menschen, der seinem Leben eine neue Richtung gibt. Die Kraft, mit der er spricht, lässt das ahnen. Er hat den Mut gefunden, sich auf die Seite der Freiheit zu stellen und sie nicht mehr loslassen zu wollen. In allem Für und Wider: In Begeisterung, Kritik, Freundschaft, Gefängnis und neuen Wegen. Er hat sich gestritten und ist sich und seinem Christus treu geblieben. Er hat den Mund aufgemacht und nicht klein beigegeben für scheinbare Ruhe und Komfort. Er hatte diesen wachen Blick.

 

Vielleicht kann er uns in Zukunft zum Vorbild werden, wenn wir unsere Freiheit in Gefahr sehen und für sie eintreten werden müssen,
Ihre Pia Rübenach

 

 

 

Kreuz mit Aufschrift: Unser Kreuz hat keine Haken.