Andacht

 

 

 

Gedanken zum Monatsspruch April aus dem Kirchenbrief der
JCB Kirchengemeinde
von Pfarrerin Pia L. Rübenach

 

"Die Hoffnung haben wir als einen festen und sicheren Anker unserer Seele!“ 
(Aus der Bibel, Hebräer, Kapitel 6, Vers 9)

 


Ich bin gern im Norden Deutschlands unterwegs. In Schleswig-Holstein sieht man sie oft: Anker. Zu jedem Boot oder Bötchen gehört ein Anker. Die großen Schiffe und Kähne haben Anker, die immens sind. Von vorne begrüßen sie einen und hängen wie Maskottchen an ihren Schiffen. Aussortiert liegen sie als Schmuck im Hafengelände. In Silber oder Gold hängen sie zart als Anhänger am Handgelenk. Bei einigen Menschen sind sie eintätowiert in die Haut als symbolträchtiges Bild. Ein Anker ist das Bild für „festgemacht“, „treu“ und „sicher“. Mit dem Anker kannst du nicht durch Sturm und Wellen, Strömung und anderes Unangenehmes abtreiben.
In der christlichen Symbolik steht der Anker für die Hoffnung.


Dass ein Anker ein Bild für Sicherheit ist, wusste man früh. Früher waren sehr viele Menschen rund ums Mittelmeer als Fischer und Seeleute unterwegs. Sie wussten ganz genau, wie fest ein Anker im Meeresgrund sichergemacht sein muss und wie verhakt mit seinen Ecken. Nur so gerät das Schiff nicht in Gefahr. Für die Fischer und die Seefahrer war diese Sicherheit für ihr Leben und ihre Arbeit wichtig. Gerade dann, wenn im Frühjahr und Herbst die Stürme aufzogen.

 

Sicherheit in den Stürmen des Lebens ist auch der Kern des Satzes aus der Bibel oben: Diese Hoffnung ist für uns wie ein fester und sicherer Anker. Manchmal entfernt man sich von dem, was man glaubt, fühlt und denkt. Manchmal fällt es uns schwer, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Manchmal entwickelt sich ein Mensch nicht weiter, weil er bequem ist. So oder so ähnlich ist das in der Geschichte der Menschen sicherlich über hundertmal gewesen.

 

Die Bibel ist ein schlaues Buch. Die Gedanken von Gelehrten und lebensklugen Menschen sind in ihr aufgenommen worden und konzentriert.   Peu à peu und fast gereizt versucht die Bibel die Menschen wieder mitzunehmen.  Wie werden Menschen im Glauben erwachsen? Wie kann die Hoffnung wachgehalten werden? Wie der Zugang zum Glauben offenbleiben? Trennt uns mehr von Gott als uns verbindet? Das sind Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Jedenfalls dann nicht, wenn wir uns die Zeit zum Nachdenken nicht geben. Ziel der Zeilen ist es, ins Überlegen zu kommen: Was schützt mich in den Stürmen meines Lebens? Was lässt mich halbwegs sicher unterwegs sein? Welchen Zugang habe ich oder welche Quellen stärken mich? Erwacht der alte Glaube oder gibt es einen Anfang? Welchen Halt verspüre ich?

 

Die Hoffnung auf Gott ist wie ein Anker. So beschreibt sie das Wirken Gottes.  Gottes Grund und Fundament sind stabil. Hier kann die Hoffnung festmachen.

 

Das Organ der Hoffnung ist die Seele. Die Seele ist der Platz der Gefühle. Sie wird in verschiedenen Psalmen wunderbar beschrieben. Die Seele ist manchmal wie ein Gegenüber für den Menschen. Sie braucht Stabilität. Unsichere Seelen atmen anders als stabile Seelen. Die Hoffnung nährt die Seele. Damit ist der Weg für die Seele gangbarer und sicherer. Eigentlich ist das schön, dass unsere Seele hier zur Sprache gebracht wird. Eine Seele mit Anker. Das ist das Bild, das Gottes Treue im Mai hergibt.

 

Ankern bei Gott - gern in der Gemeinde,
Ihre Pia Luise Rübenach
 

 

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