Andacht

 

 

 

Gedanken zum Monatsspruch April aus dem Kirchenbrief der
JCB Kirchengemeinde
von Dr. Gregor Ebneth

 

"Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! “
(Johannes 20, 29)

 


Da ist etwas geschehen, das nicht zu fassen ist: Alle anderen Jünger waren dabei, haben Jesus – den am Karfreitag Gekreuzigten und Gestorbenen – am Ostersonntag wahrhaftig leibhaftig mit eigenen Augen gesehen, ihn tatsächlich berührt. Jesus, der Auferstandene, war unter ihnen! Nur er, Thomas, war nicht dabei. „Wir haben den Herrn gesehen.“, sagten sie ihm. Das Unglaubliche glauben, darauf verzichten, sich selbst zu vergewissern?

Thomas kann das nicht – aber den Auferstandenen selbst berühren, ihm tatsächlich hautnah gegenüberstehen – das wäre es, daraus würde er Gewissheit erlangen können. Aber etwas glauben, ganz ohne eigenes Sehen, eigenes Hören, eigenes Fühlen, einfach nur aus dem Erzählen anderer? Das kann Thomas nicht! Thomas will Gewissheit durch konkrete Beweise.

Und sein Drängen auf Gewissheit durch eigenes Erleben wird ernst genommen, so berichtet der Evangelist Johannes von einer zweiten Begegnung der Jünger mit Jesus, dem Auferstandenen, bei der Thomas auch anwesend ist und sich so selbst Gewissheit verschaffen kann, dass der Gekreuzigte tatsächlich von den Toten auferstanden ist. Und da spricht Jesus zu Thomas: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Und hier spricht Jesus, der Auferstandene, auch uns heutige Christen der Blumhardt-Gemeinde und allen anderen christlichen Gemeinden weltweit an: Im Gegensatz zu Thomas damals können wir uns nicht konkrete Gewissheit durch eigenes Erleben verschaffen – wir Christen dürfen aber glauben – glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen – ein Glaube an den, der den Tod überwunden hat, als der Glaube daran, dass das Leben tatsächlich gesiegt hat über den Tod – an die Osterbotschaft!

 

Ich bin Physiker, also Naturwissenschaftler, für mich geht Erkenntnisgewinn, also der Weg zur Gewissheit, nur über experimentelles, jederzeit wiederholbares Vorgehen – das macht mir Thomas sehr sympathisch, weil er konkrete Belege einforderte. Er hat sie damals erhalten, aber für uns ist das nicht mehr möglich. Und da kommen für mich Glaubensüberzeugungen ins Spiel. Glaube ist für mich etwas, das ich nicht nach wissenschaftlichen Kriterien überzeugend beweisen kann, dass aber etwas Konkretes und Erlebbares für mich beinhaltet, es ist eine feste Einstellung, eine innere Haltung, die mir Orientierung im Leben gibt und Kraft verleiht – auch in Zeiten der Anfechtung und des Zweifels. Dieser Glaube steht in Verbindung mit Vertrauen und Hoffnung. Dieser Glaube ist gerade nicht völlig aus der Luft gegriffen, denn Johannes hat ja vom „ungläubigen“ Thomas – der sich selbst überzeugen wollte und überzeugt hat – berichtet, und das ist glaubwürdig!

 

Und weil das alles zwar glaubwürdig, aber vordergründig so unglaublich ist, wird die Osterbotschaft bei uns in der Blumhardt-Gemeinde und in allen christlichen Gemeinden weltweit jedes Jahr erneut verkündet: Jesus Christus ist auferstanden, der Tod ist überwunden, das Leben hat gesiegt! Wir glauben fest daran, dass Gott seine Schöpfung nicht aus den Augen verloren hat – er wird die Tränen hinwegwischen – er hat es zugesagt!


Ihr Gregor Ebneth

 


 

 

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