Andacht

 

 

 

Gedanken zum Monatsspruch September aus dem Kirchenbrief der
JCB Kirchengemeinde
von Pfarrerin Pia L. Rübenach

 

"Besser eine Hand voll Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind“ 
(Aus Prediger 4,6 – die Bibel)

 


Ein toller Gedanke! Viele von uns kommen ausgeruht aus dem Urlaub und konnten das für sich erfahren: Wie heilsam wirkliche Ruhe ist. Wie schön, einen Gedanken zu Ende zu denken. Wie schön, den Kindern beim Drachensteigen am Meer zuzusehen. Wie schön, seine Bahnen durch den See zu schwimmen oder auf dem Sup durch das Wasser zu gleiten. Ruhe und Natur fernab von Aufgaben, die uns oft antreiben. Es ist ein schöpferischer Akt, wenn Menschen zu sich kommen. So steht das am Anfang der Bibel, als Gott sich einen Tag Zeit nimmt für die Ruhe.

 

Wie lange dauert es, bis uns die Ruhe im Alltag verlässt? Denn alte Strukturen sind stark. So sehr ich mich wehre, sie greifen und nehmen, was sie bekommen. Irgendwann wird es leichter, nachzugeben, als um die Ruhe zu kämpfen. Das scheint kein Thema unserer Zeit zu sein. Es ist ein altes Thema für die Menschen. Schon die Bibel erkennt, wie der Mensch tickt: Übermut und Anpassung steuern ihn. Darum ist die Bibel klar:
Besser eine Hand voll Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.

 

Innere Ruhe und Ausgeglichenheit sind für den Schreiber dieser Zeilen wichtiger oder wertvoller als der Stress und das gierige Verlangen nach Anerkennung. Denn das sei am Ende so sinnvoll und greifbar wie der Versuch, den Wind festzuhalten. Aufgeschrieben wirkt das logisch und richtig. Es ist eine Wahrheit, die wir längst in uns tragen. Menschen, die sich mühen und ihre Arbeit verlieren oder am Ende in den Ruhestand entlassen werden, kennen das Gefühl, fast mit leeren Händen dazustehen. Was nun? Es birgt oft das Erleben, nicht mehr gebraucht zu werden. Da hat man alles gegeben und erkennt, dass es auch ohne einen geht. Ein Abschied und dann?

 

Viele schimpfen auf junge Menschen, die nicht mehr arbeiten wollen. Ich erkenne in meiner Nähe eher junge Menschen, die anders arbeiten, als es für uns gewohnt war. Sie nutzen moderne Strukturen und Technik und engagieren sich auf ihre Weise. Ich schaue mir das familiär seit einiger Zeit an. „Work smarter not harder“, ruft mir meine Tochter zu und ist viel mit Handy und Computer beschäftigt, weil sie als Studentin in einem Betrieb arbeitet. 

 

So ganz bin ich nicht überzeugt, dass sie eine Balance hat. Auch sie jagt den Wind, habe ich das Gefühl. So bleibt das Thema mit der Ruhe für viele von uns ein offenes Thema.  Und gleichzeitig ein Lebensthema, die Balance zu finden, um am Ende nicht ausgespuckt zu werden in ein Leben, das nur die Arbeit kannte. Den Wind festzuhalten, ist kein weiser Versuch. Dieses alte Bild vom Wind ist eindrücklich und bricht mit den Gedanken, die uns lange Anerkennung beschert haben: Schweiß und Mühe, als sichere Kategorien, geschätzt zu werden. Irgendwo mittendrin liegt eine Klugheit, inneren Frieden und Arbeit miteinander zu verknüpfen und mit dem Wind zu spielen, glaube ich,

 

Ihre Pia Luise Rübenach 

 

 

 

Seenlandschaft, Bäume auf linker Seite und deren Spiegelung im Wasser