Andacht

 

 

 

Gedanken zum Jahresspruch 2026 aus dem Kirchenbrief der
JCB Kirchengemeinde
von Dr. Gregor Ebneth

 

Gott spricht: "Siehe, ich mache alles neu!“
(Offenbarung 21, 5)

 


Ich sitze an meinem Schreibtisch, es sind die ersten Tage des neuen Jahres, der Winter hat uns voll im Griff - und mir fällt auf, dass ich erstmalig im Leben deutlich merke, wie meine körperliche Geschicklichkeit rapide abgenommen hat: Warnungen vor Glatteis nehme ich ab jetzt ernst – früher waren sie mir schnuppe, als Kinder haben wir extra Schlitterbahnen produziert! Später als 19jähriger Jugendlicher, habe ich mit meinem damaligen Schulfreund - voller Lebensfreude und Entdeckerlust – gemeinsame Unternehmungen ausgeführt – sie waren immer erlebnisreich und beeindruckend, also positiv besetzt. Die Erinnerung daran ist auch nach 60 Jahren nicht verloschen.

Nach Ende der Schulzeit haben wir uns aus den Augen verloren und jetzt – 60 Jahre später – hat sich zufällig für uns ein WhatsApp-Kontakt ergeben.  Und der ehemalige Schulfreund schreibt mir, zurückblickend auf sein bisheriges fast 80jähriges Leben: „… und alles kann man wohl nicht falsch gemacht haben!“ Was für eine stille und tiefe Dankbarkeit kommt aus seinen Worten zum Ausdruck! Auch, wenn er es nicht direkt sagt, kann ich daraus erkennen, dass er Gott für das Geschenk des Lebens dankbar ist und für die schönen Momente im Leben, die immer in Erinnerung bleiben – das gilt auch dann, wenn man schon einiges hinter sich hat, wenn das Leben seine Spuren hinterlassen hat, wenn man müder geworden ist.

Und da spricht Gott: „Siehe, ich mache alles neu!“ Dieses „Neu“ ist nicht eine Zusage für einen neuen gelenkigen Körper etwa, das ist es nicht. Es ist kein Neustart, bei dem alles Bisherige gelöscht ist, gemeint – vielmehr ist ein Weiterentwickeln und ein Weiterwerden gemeint. Ein Neuwerden, das das wertvolle erlebte Vergangene in der Erinnerung beibehält und das in den vielen Jahren herangereifte Menschsein-Ausmachende mitnimmt und vollenden will. Das ist die Zusage an einen jeden von uns persönlich. 

 

Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ Und dass „Alles“ bezieht sich auch auf die Dinge im Großen: Obwohl die düsteren Nachrichten von Kriegen in der Ukraine, Gaza, Sudan und Kongo und seit vielen Jahren schon begleiten und wir uns bange fragen: „Wie lange noch?“, spüren wir doch: Es ist nicht die Zeit für Hoffnungslosigkeit – es ist nicht zu spät für Hoffnung! Ja, zwar sehen wir Kriege, zerstörte Städte, eine Schöpfung, die leidet - aber da, wo scheinbar gar nichts mehr geht, genau da spricht Gott: „Siehe, ich mache alles neu!“

Diese bestärkende und zukunftsweisende Zusage Gottes soll uns das ganze Jahr begleiten und – da bin ich sicher - darüber hinaus.

Ihr Gregor Ebneth


 

 

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