Andacht

 

Gedanken zum Monatsspruch Juni aus dem Kirchenbrief der Blumhardt Kirchengemeinde von Prädikant Dr. Gregor Ebneth
 

 

"Da sprach Mose: Fürchtet euch nicht! Stehet fest und sehet zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird.“ (2. Mose 14, 13)

Überall Angst und beginnende Panik: Mose führt die Hebräer nach langer ägyptischer Knechtschaft endlich in die Freiheit, in das gelobte Land. Der Weg durch die Wüste in das gelobte Land ist lang, entbehrungsreich und ungewiss. Und die Hebräer werden vom ägyptischen Heer verfolgt, die ägyptischen Soldaten sind schon in Sichtweite. Da überkommt sie Todesangst, und eine lähmende Furcht, die den Blick auf die heranziehende Bedrohung bannt und handlungsunfähig macht, breitet sich aus.

Was für eine hoffnungslose Situation: Der Weg in die ersehnte erlösende Zukunft ist beschwerlich und ungewiss, die wütenden Verfolger sind bedrohlich nah. Kennen Sie solch eine beunruhigende, panikartige Situation? Die Gedanken an die Zukunft machen Ihnen schwere Sorgen, und die Gegenwart will Sie mit all ihren tagtäglichen Problemen quasi auffressen. Wie kann man da besonnen reagieren? Wie einen Ausweg finden?Nun, Mose macht es vor. Ob er dabei schon einen Ausweg vor Augen hatte, wissen wir nicht. Bewundernswert ist die Ruhe, mit der er reagiert. Er geht gar nicht erst auf die lähmende, panikartige Schwarzmalerei der Hebräer ein. Das würde wohl auch nichts bringen, er tut das einzig Richtige: Er versucht Ruhe in die aufgewühlte Stimmung zu bringen und setzt da an, wo der Grund all der aufgebrachten Reaktionen liegt: bei der Angst.

Bei Angst sind drei mögliche Reaktionen naheliegend: Flucht, Angriff, Erstarrung. In manchen Situationen mag das eine oder andere sogar lebensrettend sein. Aber weder angesichts der heranstürmenden Ägypter noch angesichts der unmittelbaren Gefahren der quälenden Wüstenwanderung sind diese Reaktionen wirklich hilfreich.
„Fürchtet euch nicht!“ sagt Mose, anstatt zur Flucht, Erstarrung oder zum Angriff aufzurufen. Gemeint ist damit kein banales: „Kopf hoch, das wird schon werden.“ Gemeint ist vielmehr: „Lass nicht zu, dass die Angst Herr über dich wird. Lass nicht zu, dass sie dein Denken und Handeln bestimmt. Lass nicht zu, dass sie dich auffrisst.“

„Fürchtet euch nicht!“ sagt Mose den verzweifelten Hebräern. „Stehet fest“, spricht er weiter. Sie brauchen wieder Boden unter die Füße, einen sicheren Stand, gerade jetzt, wo alles so ungewiss und aussichtslos scheint. Ja, das ist ein Mittel gegen die Angst, sich auf das zu besinnen, was eine Festigkeit, Halt, Sicherheit gibt. „Seht zu was wird, blickt nach vorn“ sagt Mose weiter. Also: Wende den Blick von der Bedrohung weg und hin auf mögliche Hilfen, Lösungen, Handlungsoptionen. Blicke auf das, was dir Mut macht, dann wirst du auch frei zum Handeln. Es sind für Mose drei Schritte aus der Panik: Lass dich nicht von der Angst beherrschen; spüre auf, was dir Festigkeit gibt; und sei gewiss, dass Gott mit dir ist. Diese drei Schritte eröffnen bisweilen ungewöhnliche Handlungsoptionen. Manchmal ist es notwendig, scheinbar Unmögliches zu wagen.

Im Vertrauen auf Gott wird Mose den Hebräern einen scheinbar unmöglichen Weg durch das rote Meer bahnen, das wie ein unüberwindliches Hindernis vor den verängstigten Menschen lag, und dadurch die weitere Verfolgung durch das ägyptische Heer verhindern.
Sicher, dieser Weg erforderte Mut und Vertrauen: „Vertraut darauf, dass Gott euch beisteht.“ – das ruft Mose uns zu. Zuversicht heißt, von diesem Heilsversprechen Gottes her zu leben und zu handeln – gegen die Angst, gegen die Resignation. Zuversicht heißt, neue Wege zu wagen, im Vertrauen darauf, dass sie weiterführen.
Und der Segen Gottes möge Sie in dieser Zuversicht bestärken.